Schriftliche Frage zur Stärkung der Forschung an der Autonomen Hochschule Ostbelgien – Antwort von Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung Jérôme Franssen
- 22. Mai 2025
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Abgeordnete des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft richten regelmäßig schriftliche Fragen an die Mitglieder der Regierung.
In der folgenden schriftlichen Anfrage geht es um das Thema Stärkung der Forschung an der Autonomen Hochschule Ostbelgien. Jérôme Franssen, Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, hat diese Frage beantwortet.
Nachfolgend die parlamentarische Anfrage sowie die Antwort des Ministers (22.05.2025).
Frage:
Besteht der politische Wille, an der einzigen deutschsprachigen Hochschule (Autonome Hochschule) des Landes eine eigene Forschung aufzubauen oder will man sich auch in Zukunft auf externe Studien und Expertisen beschränken?
Antwort von Minister Jérôme Franssen:
Externe Expertisen und Studien sind unverzichtbar für Beratung, Kontrolle, Qualitätssicherung und gesellschaftliche Vernetzung. Sie ermöglichen eine unabhängige, vielfältige und professionelle Steuerung, die über die klassischen internen Gremienstrukturen hinausgeht und die Eigenverantwortung der Hochschule stärkt. Aus diesen Gründen sind externe Expertisen essenziell, insbesondere im Hinblick auf die Kleinheit der DG, aber auch der Autonomen Hochschule.
Die Forschungsbereiche an der AHS konzentrieren sich zurzeit auf die Koordinierung bestimmter Schulleistungsstudien wie die PISA-Studie, die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ins Leben gerufen wurde, um die Lese-, Mathematik- und Naturwissenschaftskenntnisse und -kompetenzen 15-jähriger Schülerinnen und Schüler zu evaluieren.
Darüber hinaus organisiert die Autonome Hochschule auch die VERA-Studien, VERA-3 für Drittklässler und VERA-8 für Achtklässler. Die zentrale Funktion von VERA liegt in der Unterrichts- und Schulentwicklung jeder einzelnen Schule. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft koordiniert die Autonome Hochschule Ostbelgien diese Testung in Zusammenarbeit mit der Universität Koblenz-Landau VERA. Getestet wird in den Fächern Deutsch und Mathematik.
Wenngleich keine eigenen Forschungsprojekte im großen Umfang durchgeführt werden, vernetzt sich die AHS auch auf Forschungsebene: Sie steht im Austausch mit Hochschulen und Universitäten, ist Teil von umfassenden Forschungsprojekten mit weiteren Einrichtungen (beispielsweise Teach³ oder TeTeTi), ist Mitglied in verschiedenen Gesellschaften (beispielsweise der Internationalen Gesellschaft für schulpraktische Studien, ISGP, dem OMEP-Netzwerk, der Arbeitsgruppe Training von Unterrichts- und Sozialkompetenz, ATUS oder dem Konsortium “Mehrsprachigkeit als Chance”) und mit zahlreichen Institutionen vernetzt. So wurden beispielsweise Kooperationen mit der Université de Liège, der Universität Trier sowie der RWTH Aachen geschlossen. Im fachlichen Austausch steht die AHS unter anderem auch mit der Universität Luxemburg, der Universität Koblenz-Landau, der Universität Köln, dem Forum Lesen Kassel, der PH Schaffhausen, der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik, der PH Niederösterreich oder der PH Bern. Diese gute Vernetzung gilt es weiter auszubauen.
Frage:
Wie stehen Sie persönlich zur Rolle der AHS als Forschungsstandort und zu der diesbezüglichen strategischen Bedeutung für die Entwicklung von Bildung und Gesundheit in der DG?
Antwort von Minister Jérôme Franssen:
Die strategische Ausrichtung der Autonomen Hochschule gilt in erster Linie ihrer Lehrtätigkeit. In Ostbelgien ist es vor allem wichtig, Menschen gut auszubilden. Die Entwicklung der Bildung und der Gesundheit in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist essenziell damit verbunden, dass die Ausbildung einem Qualitätsstandard entspricht und gewährleistet, dass der Auszubildende eine gute Dienstleistung in Anspruch nehmen und das Gelernte im Anschluss in die Praxis umsetzen kann.
Frage:
Wie könnten Forschungsstrukturen langfristig an der AHS etabliert werden, um die Hochschule zu einem überregionalen Wissenszentrum auszubauen?
Antwort von Minister Jérôme Franssen:
Die Antwort auf diese Frage ergibt sich aus den Anmerkungen vorher. Forschungsaufträge, die unsere Region betreffen und die zur inhaltlichen Ausrichtung der AHS passen, werden im Rahmen der Möglichkeiten von der AHS bearbeitet bzw. koordiniert, häufig auch in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Pädagogik. Dies gilt für alle Fachbereiche der AHS.
Die AHS soll als bedeutende Stellschraube unserer regionalen Entwicklung aus eigenem Antrieb oder dem Bedarf heraus Projekte und Forschungsprogramme initiieren können, um so passende Maßnahmen, Antworten oder Vorschläge für aufgetretene oder auftretende Fragen abzuleiten.
Dabei setzt die AHS aufgrund ihrer Größenordnung, wie bereits in der ersten Frage aufgeführt, gezielt auf Kooperation.






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