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Jérôme Franssen

Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung

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Schriftliche Frage zur Zukunft der Grundschullehrerausbildung an der Autonomen Hochschule Ostbelgien – Antwort von Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung Jérôme Franssen

  • 22. Mai 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Abgeordnete des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft richten regelmäßig schriftliche Fragen an die Mitglieder der Regierung.


In der folgenden schriftlichen Anfrage geht es um die Zukunft der Grundschullehrerausbildung an der Autonomen Hochschule Ostbelgien. Jérôme Franssen, Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, hat diese Frage beantwortet.


Nachfolgend die parlamentarische Anfrage sowie die Antwort des Ministers (22.05.2025).


Frage:

Welche Kooperationen planen Sie mit der RWTH Aachen, um potenzielle Synergien für die Grundschullehrerausbildung in der DG zu nutzen?


Antwort von Minister Jérôme Franssen:

Aktuell existieren für das Studium der Grundschullehrpersonen keine Kooperationen mit der RWTH Aachen bzw. der Universität Wuppertal, mit der zusammen die RWTH das Studium anbietet. Bei der Planung möglicher Synergien ist es wichtig, die Spezifitäten bezüglich der Organisation und der Inhalte der beiden Lehrerbildungseinrichtungen zu berücksichtigen.

 

Die Lehrerausbildung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wird mit Start des Studienjahrs 2025/26 ein vierjähriges und einphasiges Bachelor-Studium, während das Studium an der RWTH ein fünfjähriges Masterstudium mit einem anschließenden Vorbereitungsdienst von 12 bis 24 Monaten (je nach Bundesland), auch bekannt als Referendariat, darstellt.

 

Zudem werden in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Generalistinnen und Generalisten ausgebildet, was bedeutet, dass die Studierenden in allen Fächern der Primarschule ausgebildet werden. An der RWTH Aachen hingegen sind Schwerpunktsetzungen in den Bereichen “sprachlicher Grundbildung”, “mathematischer Grundbildung” und “Sachunterricht, Naturwissenschaften und Technik” vorgesehen. Auch die Gestaltung, die Zielsetzungen und die Verzahnung der Kurse mit den Praktika unterscheiden sich maßgeblich.

 

Kooperationen mit der RWTH Aachen im Bereich der Lehrerausbildung existieren bislang in der Lehrbefähigung Pädagogik (CAP+). Da die Teilnehmenden der Zusatzausbildung zum Erhalt der Lehrbefähigung nicht die Möglichkeit haben, das fachdidaktische Modul an der AHS zu absolvieren, wurden - in Zusammenarbeit mit der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft - Kooperationen mit externen Partnern, unter anderem mit der RWTH Aachen, geschlossen. Im Rahmen dieser Kooperation, die Anfang 2010 unterzeichnet und im Wintersemester 2010-2011 in Kraft trat, haben Teilnehmende die Möglichkeit, die erforderlichen 6 ECTS-Punkte im Bereich Fachdidaktik zu erwerben. Sie besuchen dafür entsprechende Lehrveranstaltungen an der RWTH Aachen und erbringen die zugehörigen Leistungsnachweise. Das Abkommen wurde zum Wintersemester 2017-2018 für Dauer von sieben Jahren erneuert. Folgende Fächer sind derzeit für die Teilnehmenden der AHS geöffnet bzw. zugänglich: Biologie, Chemie, Deutsch, Englisch, Geschichte, Informatik, Katholische Religionslehre, Mathematik, Physik, Politik, Technik und Wirtschaftswissenschaften. 

 

Zudem nehmen Dozierende der AHS am Weiterbildungsangebot ExAcT (Excellent Academic Teaching), der hochschuldidaktischen Anlaufstelle der RWTH, teil. Seit 2020 können Dozierende der AHS an Weiterbildungen in folgenden Bereichen teilnehmen: „Lehren und Lernen“, „Prüfen und Bewerten“, „Studierende beraten“, “Feedback und Evaluation“, „Innovation in Lehre und Studium entwickeln“ sowie „Angebote für studentische Lehrende“. Seitdem Hochschuldozierenden die Möglichkeit offensteht, an ExAcT-Weiterbildungen teilzunehmen, haben 24 Personen dieses Angebot wahrgenommen.

 

Im Fachbereich Bildungswissenschaften kooperiert man gemeinsam mit dem Lehrerbildungszentrum der RWTH und anderen Lehrerbildungseinrichtungen am Erasmus+-Projekt Teach, in dessen Rahmen Praktika in der Euregio gestaltet werden.


Frage:

Wie soll die AHS als Kompetenzzentrum für Bildung gestärkt werden, um ihre Position als zentrale Ausbildungsstätte für Primarschullehrer in der DG mittel- und langfristig zu sichern?


Antwort von Minister Jérôme Franssen:

Die Studiengänge der AHS sind passgenau auf das Bildungssystem der Deutschsprachigen Gemeinschaft ausgerichtet. Das macht sie zur zentralen Anlaufstelle für Menschen, die den Kindergarten- oder Primarschullehrerbruf erlernen und bestenfalls in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ausüben möchten.

Die Tatsache, dass die AHS das Grundstudium nicht nur von drei auf vier Jahre verlängert, sondern die Studieninhalte und –Organisation grundlegend im Hinblick auf aktuelle Anforderungen des Lehrerberufs überarbeitet hat, unterstreicht, dass die AHS sich ihrer Verantwortung als zentrale Ausbildungsstätte für Primarschullehrer und Kindergärtner in der DG bewusst ist.


Im Sinne des lebenslangen Lernens hat die AHS den Auftrag erhalten, bereits jetzt zu prüfen, wie sie zukünftig in Kooperation Angebote für anschlussfähige Masterstudiengänge (berufsbegleitend) in der DG organisieren kann. Hierbei legt die AHS den Fokus auf Spezialisierungsmöglichkeiten im Bereich der Förderpädagogik, anknüpfend an die nun im Grundstudium implementierte förderpädagogische Basisausbildung.


Weitere Alleinstellungsmerkmale, die für die Studienangebote der Autonomen Hochschule sprechen, sind die enge Verknüpfung des Studiums mit den Grundschulen durch die Praktika, was im Rahmen der Reform des Studiums weiter intensiviert werden dürfte, sowie die generalistische Ausbildung der Studierenden.

All diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Position der AHS als zentrale Ausbildungsstätte mittel- und langfristig sichern.


Frage:

Wie wird sichergestellt, dass die AHS inhaltlich und didaktisch mit einer großen Universität wie der RWTH Aachen konkurrenzfähig bleiben kann?


Antwort von Minister Jérôme Franssen:

Mit dem Fokus auf die Evidenzbasierung – also einem Studium, das Kompetenzen auf dem aktuellen Stand der Bildungsforschung fördert – wird deutlich, dass die Kolleginnen und Kollegen der AHS sich regelmäßig in ihren Fachgebieten weiterbilden.

Durch ein praxisnahes, evidenzbasiertes Studium an einem modernen Studienstandort bietet auch die AHS besondere Vorzüge. Interessant für Studieninteressenten kann zudem sein, dass sie ihre Praktika an möglichen späteren Arbeitsorten absolvieren.

 

Frage:

Welche Maßnahmen werden ergriffen, um die Attraktivität des Studiums trotz der Verlängerung des Bachelors auf 4 Jahre zu erhalten?


Antwort von Minister Jérôme Franssen:

Insgesamt bietet das Grundschullehrerstudium an der AHS Eupen eine moderne, praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Ausbildung, die auf die Herausforderungen einer zunehmend heterogenen und inklusiven Schullandschaft vorbereitet

 

Integration von Zusatzqualifikationen: Förderpädagogik und Fremdsprachendidaktik (Französisch) sind künftig fest im Grundstudium verankert. Alle zukünftigen Absolventen erhalten damit die Zulassung, sowohl Fremdsprachenunterricht zu erteilen als auch im Förderbereich tätig zu sein.

 

Neue und vertiefte Themen: Zu den erweiterten Inhalten gehören Medienpädagogik, politische Bildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, pädagogische Diagnostik, multiprofessionelle Teamarbeit sowie die Förderung überfachlicher Kompetenzen.

 

Inklusive und heterogene Lernumgebungen: Die Ausbildung legt besonderen Wert auf den Umgang mit Vielfalt, Inklusion und Heterogenität in der Schülerschaft – Themen wie Globalisierung, interkulturelle Pädagogik und individualisierte Lernwege sind zentrale Bestandteile.

 

Didaktische Besonderheiten

  • Vom Kind aus gedachte Lehre: Die Kurse sind so konzipiert, dass sie konsequent die Sicht und Entwicklung der Kinder in den Mittelpunkt stellen. Kursbezeichnungen wie „Kinder gestalten Sprache in Wort und Schrift“ oder „Kinder nutzen individuelle Lernwege“ verdeutlichen diesen Ansatz.

  • Starker Praxisbezug: Der Praxisanteil wird ab 2025 deutlich erhöht: 26 Wochen Praktikum in sechs verschiedenen Kontexten machen ein Viertel des Studiums aus. Die Studierenden übernehmen schrittweise mehr Verantwortung und werden eng von Lehrpersonen begleitet (Co-Planning, Co-Teaching).

  • Innovative Lehr- und Lernformate: Das Studium setzt auf Blockveranstaltungen, Themenwochen und -tage sowie mehr Eigenarbeitszeit. Prüfungs- und Kursformate werden laufend weiterentwickelt, um ein echtes Hochschulstudiumserlebnis zu ermöglichen.

  • Selbstgesteuertes und personalisiertes Lernen: Die Hochschule versteht sich als Lernumgebung, in der auf die individuellen Voraussetzungen der Studierenden eingegangen wird. Selbstverantwortliches Lernen und Reflexion werden gezielt gefördert.

Das Angebot passgenauer Masterstudiengänge, die am vierjährigen Bachelor anknüpfen und in Kooperation mit Partnerhochschulen oder -universitäten berufsbegleitend und bei verkürzter Dauer an der AHS stattfinden sollen, wird den Studierenden eine zusätzliche Möglichkeit bieten.


Frage:

Wird eine gezielte Informationskampagne für potenzielle Studierende geplant, um die Vorteile des erweiterten Studiengangs an der AHS zu kommunizieren?


Antwort von Minister Jérôme Franssen:

Die AHS ist bereits dabei, das neue Grundschullehrerstudium zu bewerben und dazu zu kommunizieren.


Startschuss war Anfang April eine Pressekonferenz an der Autonomen Hochschule, bei der das neue Grundschullehrerstudium der Öffentlichkeit und somit auch potenziellen Interessenten vorgestellt wurde.


Im Rahmen dieser Pressekonferenz wurde auch ein Informationsvideo vorgestellt, in dem das neue Format des Grundschullehrerstudiums näher erläutert sowie zentrale Entwicklungen und Veränderungen aufgezeigt werden. Das Video ist auf der Webseite der AHS und auf YouTube veröffentlicht und wird auch weiter für Vorstellungsrunden genutzt.

 

Insbesondere Studieninteressenten wurden durch die AHS bei verschiedenen Anlässen in den Sekundarschulen oder bei öffentlichen Veranstaltungen über die Neuerungen und Entwicklungen des Studiums informiert.

 

Seit einigen Jahren besuchen zudem Vertreter der AHS die Sekundarschulen der DG. Auch war die AHS beim Studieninfoabend am Königlichen Athenäum Eupen, bei der Jobmesse “Meet your job”, organisiert durch das Arbeitsamt der DG, als auch bei der Messe für Studium und Ausbildung Vocatium in Aachen vertreten, um Studieninteressenten zu gewinnen. Diese Initiativen werden auch in Zukunft fortgeführt.


Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung Jérôme Franssen

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